Der hohe Norden Neuseelands








Gestern und heute hat sich viel getan. Ich hatte lust auf Autofahren, also bin ich schon 400km weiter. Aber mal von vorn... Gestern hatte ich dann nach einem gemütlichen Frühstück am Strand bei Sonnenaufgang meinen einsamen Strand verlassen und bin weiter Richtung Norden. Nochmal getankt, bevors vormittags dann den laaaangen Weg hoch Richtung Cape Reinga ging. Gleich am Anfang einen kurzen Abstecher an den 90 Miles Beach, wo ich allerdings grad keine gute Sicht hatte. Mit dem Auto hab ich mich sowieso nicht draufgetraut, da ich keine Lust hatte Joy noch freizuschaufeln, also gings gleich weiter. Mittagessen an einem kleinen Fischerhafen, wieder umzingelt von 30Möwen. Dann durch traumhaft schöne Landschaften, unendliche Weiten, tausende Kühe und Schafe, und kilometerweit nur gerade Straßen. Irgendwo auf dem Highway dann fast ne Vollbremsung, da zwei süße Hundewelpen mitten auf der Straße saßen. Natürlich konnte ich auch das nicht einfach so hinnehmen. Die beiden haben sich riesig gefreut mal gestreichelt zu werden und ich wurde meine Würstchen los, die ich kurz vorher gekauft und als ungenießbar abgetan habe. Die Zwei waren so abgemagert, dass ich dem doch mal auf den Grund gehen musste, wo die überhaupt herkommen. Also hab ich die nächste Farm gesucht und bin mit ihnen hingelaufen. Natürlich war keiner zuhause, aber zumindest kam noch ein dritter Hundewelpe angelaufen, also denk ich mal, gehörten sie auch dahin.
Dann gings weiter bis nach Waitiki, wo ich eigentlich die Nacht mal auf nem Campingplatz verbringen wollte. Da es aber erst 2Uhr war, bin ich noch zu den nahegelegenen Sanddünen gefahren. Unglaublich! Erst hab ich noch gedacht, Sanddünen...was kann daran schon so besonders sein? Aber das is unglaublich, solche riiiiiesigen Sanddünen. Man kommt sich vor, wie in der Sahara. Also Flipflops aus, Fluss durchqueren und rauf auf den Sand. Natürlich wollte ich auch mal hoch und hab mir blöderweise die höchste und steilste Düne zum raufklettern ausgesucht. Man glaubt garnicht, an welch ungewöhnlichen Stellen man dadurch Muskelkater griegen kann. Die Sonne hat natürlich noch voll gebrannt, damit der Saharaeffekt noch besser is. Der Liter Wasser war schneller weg, als ich gucken konnte. Aber der Blick von da oben war so gigantisch. Nachdem ich mich ein bisschen erholt und genug Sandburgen gebaut hab, gings wieder runter... Flipflops in ne Plastiktüte gepackt und draufgesetzt. Riesen Spaß, allerdings war die Tüte nach einem Drittel der Strecke zerfetzt, also gings auf dem Hintern weiter, mittlerweile hatte man sowieso überall Sand. Als ich unten war lernte ich den Parkranger kennen, mit dem ich dann mit nem Fernglas eine Hochzeit beobachten konnte. Tolles weißes Brautkleid, mitten in all dem Sand, Bräutigam im schicken Anzug und natürlich barfuss. Außergewöhnlicher Ort zum heiraten
Danach wollte mir der Ranger noch nen ganz tollen Ort zeigen. Ich also hinter ihm her gefahren, über ne Kuhwiese quer drüber (verzeih mir Joy, für all die Schlaglöcher und Hügel) an ne Stelle, wo drei Flüsse zusammentreffen. Der Ranger, ein Maori, konnte mir nun tausende Dinge erzählen. Eigentlich war er ja bei der Arbeit, aber das Funkgerät hat er ignoriert. Nachdem wir ne ganze Weile versucht haben mit Steinen, Stöcken und ähnlichem ein Seil zu treffen, dass an einem Baum überm Wasser hing und er mir interessante Dinge über die Landschaft, die Sanddünen, die Tiere und sonstiges erzählt hat, hatte ich sozusagen Maoriunterricht. Geschichtliches, Begrüßungsritual, Wörter und Ausdrücke, usw. Und dann wurde ich in die hohe Kunst des ... eingeweiht. Das is nen Maoriwort, was ich mir nicht merken konnte. Jedenfalls gings ums Entspannen. War aber echt gut, ich kam mir vor, wie hypnotisiert, so entspannt war ich echt noch nie. Irgendwann musste er ja dann doch noch seiner Arbeit wieder nachgehen. Ich sollte eigentlich noch am nächsten Morgen mit zum Northcape kommen, mitm Motorrad Wege abfahren...aber nee, Zweiräder sind nun wirklich nix für mich.
Ich bin dann weiter bis zum Cape Reinga gefahren, um dort noch den Sonnenuntergang zu sehen... wahnsinn! Hier treffen sich Pazifik und die Tasmanische See. Und mystisch! Von hier aus starten die Seelen der Toten den Weg zurück nach Hawaiki. Bis es stockdunkel war saß ich noch am Leuchtturm. Die Nacht verbrachte ich direkt auf dem Parkplatz am Cape. Lange noch hab ich die Sterne beobachtet. Und ich wüsste nicht, wann ich jemals so klare Nächte in Europa gesehen hab. Hier is es manchmal, als wär man den Sternen viel näher. Diesmal wars eine sehr ruhige Nacht, kein Wind, kein Regen. Ob wohl die Seelen der Toten am Auto vorbeigewandert sind?
Am nächsten Morgen war alles in extrem dichten Nebel gehüllt. Einen kurzen Blick auf den Leuchtturm bekam ich noch und dann bin ich schon um sieben gestartet. Zurück durch die traumhaft schöne Landschaft und die unendlichen Weiten. Zweites Frühstück wieder an dem kleinen Fischerhafen, der auch noch im Nebel hing. Zwischendurch dann schon die 1000km geknackt. Dann kam ich endlich mal in bergige Gegenden. Immerhin schon 500m hohe Berge. Dann konnte ich mal wieder mit der Autofähre übersetzen. Und nun bin ich in Opononi gelandet, wo ich heut mal auf nem Campingground stehe.
Übrigens seh ich aus, wie nen Streußelkuchen, da ich vorgestern das erste Mal Bekanntschaft gemacht habe mit den netten kleinen sandflyes. Dagegen sind Mückenstiche echt erholsam!
Und hier auf dem Campingplatz, wo es ja sooo sicher is, hatte ich schon zwei tolle Erlebnisse. Erst verzieh ich mich in mein Bett, als ich ein riiiiesen Krabbelvieh an der Decke entdecke. Meine Schreie hat bestimmt jeder auf dem Platz gehört. Half nix, habs dann mit nem Küchentuch selbst zerquetschen müssen. Und als ich eben im Dunkeln zum Auto zurückkam is was felliges weggesprungen, fauchend (oder was auch immer das für Geräusche waren) auf den Baum und hat mich dann mit funkelnden Augen angesehen. Sowas is mir beim Wildcampen noch nicht passiert, zitter ja jetzt noch.
Desweiteren hat sich auch arbeitstechnisch was getan. 4Bäckereien hab ich einfach mal so angeschrieben, zwei davon haben gleich geantwortet. Eine wöllt mich gleich ganz haben für länger, allerdings haben sie sich jetzt abgesprochen, dass ich ab August wie gewünscht nen paar Monate dort arbeiten könnte. Und die andere Bäckerei war gleich begeistert, da würde sich schon was machen lassen, da soll ich vorbeikommen, wenn ich wieder in Auckland bin. Auckland war zwar nicht ganz meine Vorstellung, aber immerhin is es nicht mitten in der Stadt. Mal sehn was sich ergibt und wie ich das in meine Reiseplanung einbaue.
So, nun geh ich schlafen und morgen gehts Kauribäume angucken.
Kommentare