Der Autokauf
da der bericht zu lang wurde, bekommt der autokauf einen extra blogeintrag.
jeden tag wurden zeitungen und internet durchforstet, jede menge sms und emails wurden verschickt, anrufe getaetigt und besichtigungstermine abgemacht. zwischendurch hatten wir bei einem autohaendler um die ecke einen stehen sehn, den ich mir mal angesehen habe. ich mag keine autohaendler und das auto war fast so alt wie ich, also hab ich ihn recht desinteressiert abgetan, woraufhin er mir sagte, ich wuerde sowieso zurueck kommen und das auto kaufen. pah! jetzt erst recht nicht!
ich setzte mir einen tag, wo ich das familienauto bekam und richtung hauptstadt fuhr. das erste mal wieder hinterm steuer auf der linken seite, seit langer zeit mal wieder ein automatik. ich brauchte eine weile, fand mich zweimal auf der rechten seite wieder beim abbiegen, aber irgendwie ging es. ich hatte zum glueck ein navi mit, ansonsten waeren fremdes auto, fremde strassenseite, fremde grossstadt, usw einfach zu viel geworden. die erste besichtigung wurde noch auf dem weg dahin abgesagt. ein deutscher, hat sich ueberlegt, das auto doch noch zu behalten.
also hatte ich noch ein paar minuten am strand in fremantle. dort hatte ich damals die niederlaender getroffen, denen ich mein auto verkauft habe. damals hatte ich einen nissan patrol und ich liebte ihn. mit dem mitsubishi landcruiser, ist er der beste gelaendewagen ueberhaupt. australier schwoeren auf diese beiden modelle, daher sind sie auch recht schwer zu bekommen. und sie haben keinen grossen wertverlust. die preise sind noch die selben, wie vor vier jahren. und da dieses auto mich damals so treu begleitet hat, wollte ich wieder so einen. meinen alten gibt es leider nicht mehr, ist nicht mehr registriert. wer weiss, was die hollaender damit angestellt haben. an diesem tag hatte ich jedoch auch andere autos auf der liste, da es nicht so viele patrols gab. ich versuchte, ohne vorurteile den anderen auch eine chance zu geben. aber ich hatte immer im hinterkopf, dass ich einen patrol will.
jedenfalls kam dann der zweite termin. ein ungewoehnliches reisepaerchen. deutsche. tochter in meinem alter und ihr papa. sie war schon fast ein jahr hier und macht auch noch ihr zweites, und er kam fuer 2monate rueber, um mit ihr die westkueste zu bereisen. sie hatten einen vollausgestatteten mitsubishi challenger, der ansich fuer sein alter noch recht gut in schuss war, aber er war so verlebt. ein richtiges backpackerauto, dass evtl schon 10mal quer durchs land gejagt wurde. er lies sich gut fahren, er war ok, aber es hat einfach noch nicht gefunkt zwischen uns. die probefahrt mit dem monster war ja noch lustiger. nun mit manueller schaltung, auf der linken seite, mit riesigen dimensionen, aber wir hatten ja zeit...
nach 1,5std, die ich mit den beiden verbracht hatte, ging es weiter in das zentrum von fremantle. das backpacker-mekka der westkueste wimmelte nur so von leuten. hauptsprache: deutsch. sie sind einfach ueberall! die naechste besichtigung, natuerlich mit deutschen. er war an der arbeit, hatte mir nur schon am vortag einige fragwuerdigen dinge per sms erklaert. sie musste mich empfangen, war schon sichtlich aufgeregt und hatte nicht den blassesten schimmer von diesem auto. geparkt war dieser hillux im hinterhof eines hostels, vollkommen eingeparkt ohne chance auf eine probefahrt. das war aber auch gar nicht noetig. ein kurzer blick reichte schon. die beiden waren 19jahre alt, haben das auto nur fuer einen 3wochen trip gekauft und dann realisiert, dass sie sich ein so grosses auto doch nicht leisten koennen. also selbst, wenn man nicht viel von autos versteht, haette man den nicht gekauft. es war einfach nur ein haufen schrott. innen und aussen rost so weit das auge reichte, der motorraum oelverschmiert, die riemen vollkommen poroes und kurz vorm reissen, die campingausruestung vollkommen abgenutzt, dreck ueberall,... einfach nur ein alter haufen schrott, fuer den sie trotzdem noch 5000euro verlangten. pfff, ich wuensche den beiden echt viel glueck, dass sie nochmal so einen idioten finden, sodass sie dieser fehlkauf nicht in den finanziellen ruin stuerzt.
weiter ging es, mittagspause in einer halbdeutschen baeckerei, die meinem jetzigen chef gehoert. es waren aber einfach zu viele leute ueberall. das haelt man als landei einfach nicht lange aus. ich bekam eine weitere absage. von franzosen, das auto war verkauft. also fuhr ich nun nach perth, wo ich im internet 2 patrols bei zwei verschiedenen autohaendlern gefunden hatte. was sie aber im internet nicht erwaehnt hatten war, dass es sich um die 2.8L und 3.0L motoren handelte. das sind die "crackheads", die wo alle paar monate die zylinderkopfdichtung kaputt geht (=teuer und muehsam). die stehen ueberall, werden nicht verkauft. von denen hab ich an dem tag 7 angesehen.
das phaenomen mit den autohaendlern war ja immer sehr schoen... man konnte sehen, die erste reaktion, immer so "oh...eine frau...der koennen wir maerchen erzaehlen". und was sie mir nicht alles ueber ihre tollen autos erzaehlt haben. aber so ganz unbelesen bin ich ja nicht los gezogen. und sobald ich dann mit den schlechten eigenschaften der autos angefangen hab, wussten sie nicht mehr weiter, da wurden sie nervoes. manche autohaendler nehmen einen als frau gar nicht ernst. aber ich muss sagen, die sieben autos, die ich mir bisher allein ausgesucht habe, da war nur ein fehlkauf dabei und das war mein extremcorsa, aber da hab ich mich von sound und aussehen einlullen lassen.
ich fuhr haufenweise haendler ab, aber keiner hatte was vernuenftiges. ich hatte die motivation schon fast verloren, aber ich hatte noch meinen favoriten. einen patrol von einem einheimischen. ich wartete im mcdonalds noch eine halbe std, bis der typ von arbeit kam. dann wollte ich gerade losfahren, als er mir schrieb, dass er das auto gerade verkauft hat. sch***! einen letzten hatte ich noch. ein patrol, ein australier. er sah nicht schlecht aus, sollte nur verkauft werden, weil die frau ihn nicht mehr wollte. ich fuhr ein bisschen umher, hatte mega schwierigkeiten, das monster ueberhaupt zu lenken und eine vollbremsung konnte ich auch mit all meiner kraft nicht machen. aber bis auf diese zwei dinge, war er echt ok. aber diese zwei dinge waren eben welche der wichtigsten. ich redete mir ein, dass es eben ein groooosses auto ist und das braucht eben kraft, und da brauch ich einfach gewoehnungszeit. ich wollte nicht erfolglos heimfahren, also sagte ich erstmal zu.
nachdem ich eine nacht lang hin und her ueberlegte, entschied ich mich, zurueck zu dem autohaendler um die ecke zu fahren. der, wo ich den ersten patrol entdeckt hatte. er freute sich natuerlich und dachte, er hatte recht und ich will sein auto kaufen. aber da bremste ich ihn erstmal wieder aus. ich wollte nur probefahren, um einen vergleich zu haben, zu dem, den ich eigentlich kaufen wollte. er hatte angst. ich konnte es spueren. er fuehlte sich nicht wohl dabei, ein solch grosses auto, mit einem solch kleinen maedchen vom hof fahren zu lassen. aber dieses auto konnte ich steuern, ich konnte ihn bremsen, der erste funke ist uebergesprungen. er war nur zwei jahre aelter, als der andere. und nur ein jahr juenger, als ich. wie mich schon so oft leute fuer bekloppt hielten, dass ich so alte autos fahre,...ich bleibe auch dabei! die halten wenigstens noch! und wenn nicht, kann man sie wenigstens noch selbst reparieren!
Ich brachte ihn zurueck, wollte skeptisch den hof wieder verlassen, als er mit dem preis auf einmal noch 1000$ runter gegangen ist. naja, ich sagte ihm, entweder ich komme morgen vormittag oder eben nicht. ich fuhr wieder heim, dachte weiter darueber nach.
der freitag kam, der autokauf musste langsam mal zu einem resultat kommen. es war nichts besseres ins internet gekommen, also machte ich naegel mit koepfen. ich fuhr zur bank, holte mein geld und war mit meinem fetten umschlag bereit, nach perth zu fahren. allerdings hielt ich zuerst bei meinem kleinen autohaendler um die ecke. ich sagte ihm, wenn er mir einen dachgepaecktraeger fuer das auto besorgt, dann nehm ich ihn fuer den runtergehandelten preis. mhhh...er war gluecklich, hat ueberlegt und rumtelefoniert, hat aber keinen dachgepaecktrager auftreiben koennen. naja, er hat sich bemueht. zumindest hat er mir ein paar halterungen gegeben, die er noch rumliegen hatte, womit ich auch schonmal an die 200$ gespart habe. ich hatte mich in das auto verliebt, ich wollte es, per handschlag besiegelte ich es.
wir sassen im buero, machten die papiere fertig, als sein redseeliger chef kam. er freute sich, erzaehlte all seine reisegeschichten und die seiner kinder. und er erzaehlte mir immer wieder, was fuer ein tolles auto ich doch gekauft habe. jaja...das sagen sie alle! er erzaehlte mir, was er ueber die geschichte des autos wusste. er war die letzten zehn jahre im besitz eines priesters, der mit dem auto durch das outback fuhr, um die ureinwohner vom christlichen glauben zu bekehren. ein goettliches auto also. er haette alles an dem auto machen lassen, serviceheft usw. zu dem zeitpunkt wusste ich noch nichts ueber die ausmasse. und die autohaendler evtl auch nicht. wir waren ewigkeiten am quatschen, brachten den anderen immer wieder durcheinander beim ausfuellen der papiere und sassen ueber eine std im buero. echt nette kerle. haben mir noch tausend tipps gegeben, wo ich ueberall hin muss, was ich mir ansehen muss, usw.
als wir das buero verliessen, fingen sie an, zeug zusammen zu suchen. sie bastelten mir die halterungen ans dach, brachten mir teure fussmatten, die sie nicht mehr brauchten und schleppten mir eine box an. die war handgefertigt, mit filzueberzug, fuer hinten ins auto, mehrere hundert dollar wert. super kerle! und da ich ja gerade mit der familienkutsche da war, sagte ich, ich komme spaeter wieder, um das auto zu holen, aber sie wollten mitkommen. also hatte ich mein auto wenige minuten spaeter schon auf dem hof stehen.
was ich also zu anfang wusste:
ich hatte einen nissan patrol gekauft, baujahr 1989, mit einem grossen 4.2liter motor, 6zylinder, diesel, keine vorstrafen, hatte 311.560km runter, weiss, gut erhalten, kein rost, neue auspuffanlage, neue stossdaempfer, war erst beim service, usw.
was ich in den letzten wochen noch alles so rausgefunden habe, unter anderem von einem offroad-shop-verkaeufer und einem auto-shop-verkaeufer und den ganzen rechnungen, die dabei lagen:
er hat einen riesigen 150liter dieseltank und ist zusammen mit dem gas mega spritsparend (fuer so ein grosses auto). der gasumbau hat erst vor drei jahren stattgefunden und hat 5000$ gekostet. der grosse tank nochmal 1500$. ein gut angeschlossenes dualbatteriesystem, d.h. ich kann nie mit leerer batterie irgendwo liegen bleiben. beide batterien natuerlich erst anfang des jahres neu gemacht fuer 500$. die bremsen sind neu. kupplung erst 2jahre alt. ein schnorchel wurde anfang des jahres dran gebaut, sodass wir auch mal schwimmen gehen koennen, hat knapp 1000$ gekostet. die auspuffanlage fuer knapp 1000$. er hat einen chip im wert von ueber 9000$ in sich, ... es wurde soviel geld in dieses auto investiert, unglaublich! allein in diesem jahr fast 10.000$. und das auto hat mich trotzdem lediglich 7000$ gekostet. also irgendwann demnaechst lasse ich nochmal einen service machen. und wenn mir dann nicht gerade gesagt wird, dass irgendetwas extrem teures kaputt ist oder was total falsch ist an dem auto, dann hab ich echt einen glueckstreffer gelandet. ich verstehe nur nicht, warum dieser priester soviel investiert hat und dann hat er es verkauft. hab schon ueberlegt, mal zu ihm zu fahren, um zu fragen. hab ja seine adresse. oder aber (kleiner scherz am rande, von mir super-atheist): gott hat gewollt, dass ich dieses auto bekomme :-D
ich hatte nun mein auto, ich war wieder mobil. zur ummeldung hatte ich zwei wochen zeit. ich wollte eigentlich warten, bis meine bankkarte eingetroffen ist, damit ich die als identitaetsnachweis nutzen konnte. als die kam, fuhr ich eine woche spaeter zur behoerde, wo ich aber recht schnell im computer gefunden wurde. natuerlich! ich war ja schonmal autobesitzerin hier in westaustralien. also brauchte ich nur die vom autohaendler ausgefuellte dinA4 seite hingeben und das war es. ohne grosse buerokratie.
ich muss das auto ja erst nach und nach kennenlernen, also fiel mir auch erst eine woche spaeter auf, dass am reserverad ein felgenschloss angebracht war, fuer dass ich keine nuss hatte. also fuhr ich wieder zu den autohaendlern. man konnte den schock schon in ihren gesichtern sehen. sie dachten wahrscheinlich ich bin nicht zufrieden mit dem auto. jedenfalls waren sie eine halbe std damit beschaeftigt, mit gewalt die schrauben zu loesen und mir dann normale drauf zu machen. super, problem geloest. andernfalls haette ich bloed dagestanden, wenn ich mal einen platten reifen gehabt haette und den reservereifen nicht runterbekommen haette.
Mir haben nun mittlerweile 5fachmaenner, die das auto gesehen haben, und auch sicher 10 nicht-fachmaenner, gesagt, dass mich das auto fuer ewig begleiten wird. da bin ich mal gespannt und hoffe das beste. nur so nebenbei: diese autos koennen auch problemlos mal 800.000km erreichen, wenn man sie gut behandelt.
das ist erstmal lang genug, also wird ueber den umbau zum camper und ueber unsere bisherigen gelaendeabenteuer spaeter berichtet.


Kommentare