Die Wunschheimat Pilbara
ich fuhr am morgen zurueck zur touristeninformation. Ich brauchte eine genehmigung fuer die rio tinto railway road. 300Km schotterweg, der im besitz der grossen minengesellscchaft war. Es ging direkt an der bahnstrecke entlang, die das eisenerz aus den minen im inland hoch an die kueste transportierte. Fuer 2$ musste ich mir einen 20minuetigen film ansehen, der auf die gefahren und regeln der strasse hinwiess. Recht interessant. Danach bekam ich einen zettel, den ich im auto liegen haben musste und konnte starten. 20Km auf dem highway und dann rechts ab. Die luft musste abgelassen werden, ich war dankbar fuer meine nagelneuen reifen. Vor mir lagen 300km mit schrecklich reifenzerstoerendem schotter.
Nach ueber 100km kam ich in den milstream-chichester national park. Ein paar berge zu besteigen, schluchten zu bestaunen, wasserloecher zum reinspringen. Es waren weit ueber 30grad, die fliegen waren extrem. Huegelig ging es rauf und runter durch wunderschoene landschaft. Im zweiten teil des parks uebernachtete ich. Alte stations, kleine fluesse mir klarem wasser, eine bunte vogelwelt und so schoen abgelegen und touristenlos. Am naechsten tag machte ich einige kleine wanderungen um den campingplatz herum, bevor ich wieder weiter fuhr. Einige der kilometerlangen zuege kamen mir entgegen. Einmal zaehlte ich mit: 5 lokomotiven und 263 wagons, beladen mit tausenden tonnen eisenerz.
Irgendwann ueberholte mich jemand mit viiiiiel zu hoher geschwindigkeit und ich hoerte den schlag und hatte ein weiteres loch in der windschutzscheibe. So ein idiot! Ueberall entlang der strasse lagen autowracks. Es gab schon einige mitunter toedliche unfaelle auf der strecke. Da war ein grund, dass nur 80km/h erlaubt waren. Irgendwann sah ich zwei autos an der seite. Sie stoppten mich, um zu fragen, ob ich ein reifenreperaturset dabei hatte. Natuerlich! Und einen kompressor? Natuerlich! Da standen sie nun, ein australisches paerchen, die mit nur einem reservereifen und nichts anderem aufgebrochen waren in diese gegend. (Nur um das nochmal zu vermerken: die pilbara ist eine der abgeschiedensten gegenden der welt. Wueste in einem erbarmungslosen land.) Man hat gemerkt, dass er sich dafuer geschaemt hat, dass er hilfe von einer deutschen annehmen musste, die besser ausgestattet war. Das andere auto gehoerte einem minenarbeiter, der damit nicht weiter helfen konnte. Die australier hatten zwei geplatzte reifen innerhalb einer stunde. Sie hatten die selben abgefahrenen bridgestones, die ich noch vor ein paar wochen hatte. Keine chance also auf dieser strasse. Er versuchte, das loch im reifen mit meinem set zu reparieren, aber es war zu gross, auch mit 11stiften konnte er nichts bezwecken. Meine reservereifen passten bei ihm nicht drauf. Tom price war noch 150km entfernt, handyempfang gab es auch erst wieder in 150km. Ziemlich auswegslose situation. Sie hatten kein wasser mehr, sodass wir ihnen damit auch aushelfen mussten. Sie hatten keine muetzen, sodass sie hoffnungslos verbrannten in der erbarmungslosen sonne. Grossstadtaustralier, die keine ahnung vom outback hatten. Es kam ein weiterer minenarbeiter vorbei und hielt an. Sie waren sauer. Staendig mussten sie touristen retten, die sich nicht vorbereitet hatten und all die tipps und regeln des videos missachteten. Aber er hatte einen reservereifen in der richtigen groesse. Damit konnten sie die 10km zum naechsten minenlager fahren, wo sie unterkunft und verpflegung bekamen und die reifen bestellen konnten, die am naechsten tag von tom price geliefert wurden. Ein teurer ausflug also fuer die beiden.
Zwei weitere male hielt ich an, um hilfe anzubieten. Aber das waren nur minenarbeiter, die alles unter kontrolle hatten. Mein weg fuehrte mich zu einer schlucht etwas ausserhalb des nationalparks. Auf dem parkplatz fand ich eine gruppe mit 8maedels. Sie hatten einen platten reifen und keine von ihnen wusste, wie man einen reifen wechselt. Sehr clever, dann in diese gegend zu fahren. Sie fanden einen camper, der ihnen den reifen wechselte. Allerdings hatten sie in ihrem mietwagen nur ein notrad. Also das kleine duenne, mit dem man nur langsam und nur wenige kilometer fahren sollte. Die stadt war immernoch 60km entfernt. Keine ahnung, ob sie es noch zurueck geschafft haben. Drei weitere minenarbeiter auf der strecke mit geplatzten reifen. Einer konnte meine hilfe gebrauchen, weil sein radkreuz gebrochen war. Ein wahnsinn diese strasse. Ich nehme an, reifenfirmen machen dort den besten umsatz im ganzen land. Die guten, teuren reifen, die normal 100.000km halten, ueberleben dort fuer 8.000-10.000km.
Irgendwann kam ich in tom price an, immernoch so dankbar fuer meine neuen reifen. Ich hatte es geschafft. Und ich war wieder in meiner lieblingsgegend, in meinem lieblingsstaedtchen, tom price. Ich brauchte eine dusche, also fuhr ich zum campingplatz, der mit 15$ auch einen fairen preis hatte. Man kannte sich schnell, ein paar nette leute waren dort stammgaeste. Ich buchte nur eine nacht und machte mich am naechsten morgen auf den weg zum hausberg. Nun wollte ich es aber wissen! Nach all dem trara, wie gefaehrlich diese strecke sein soll, machte ich mich bereit. Die luft war aus den reifen, als mir jemand entgegen kam. Er sagte mir, dass noch jemand oben ist und wuenschte mir viel glueck. Der weg war einspurig. Es gab zwar einige ausweichbuchten, aber je nachdem, wo einem jemand entgegen kam, konnte das trotzdem riskant werden. Also war es gut zu wissen, dass noch jemand oben war. Ich begann die kletterei, es ging steil nach oben ueber stock und stein. Im ersten gang suchte sich mein patrol langsam seinen weg. Natuerlich hatte ich wieder vergessen, alles zu sichern, sodass flaschen, brot, geschirr und sonstiges wild im auto umherflogen. Ich fand meinen weg nach oben ohne groessere probleme. Ich hab nun wirklich nicht verstanden, was daran nun so gefaehrlich sein soll. Ok, wenn man das falsche auto hat, dann vielleicht. Oben auf dem gipfel hatte man einen toooollen ausblick ueber die berglandschaft der pilbara und ueber tom price mit all seinen minen. Das andere auto verliess erst den gipfel, als ich oben ankam. Wir kamen uns also nicht in die quere. Der weg nach unten machte mir immer etwas mehr angst. Man sieht ja in dem riesigen auto nicht wirklich, wo man hinfaehrt. Aber auch das war ok. Stueck fuer stueck im schneckentempo fand mein autochen seinen weg. Und eine std spaeter waren wir wieder heile unten.
Eigentlich wollte ich weiter richtung sueden. Aber in und um die hauptstadt war immernoch winter. Darauf hatte ich nun wirklich keine lust. Also entschied ich mich, noch eine weile in tom price zu bleiben. Ich fuhr am spaeten nachmittag nochmal hoch auf den mount nameless. Nach einem wuuuuunderschoenen sonnenuntergang, schlug ich mein camp dort oben auf dem gipfel auf. Mit all den lichtern und dem tollen sternenhimmel, war das wohl einer der besten schlafplaetze, die ich auf meinen reisen bisher hatte. Allerdings merkte ich die nacht, dass es nicht die beste idee war, direkt auf dem kamm zu parken, da der wind das auto ziemlich durchschuettelte. Am naechsten morgen fuhr ich wieder runter und verbrachte den tag in der stadt. Man hatte keine baeckerei mehr seit maerz. Die leute waren verzweifelt. Abgepacktes supermarkt toastbrot war keine dauerloesung. Ich verbrachte also einige zeit damit, heraus zu finden, wie ich am besten geld und visa beschaffen koennte. Aber das war alles ganz schoen kompliziert. Es waer das geschaeft schlecht hin gewesen. Konkurrenzlos, tourismus, minenarbeiter mit geld, internationale kunden,... perfekt.
Ich bezahlte die naechste nacht wieder auf dem campingplatz. Darauf die nacht verbrachte ich am fusse der berges. So pendelte sich das ein. Ich blieb fast zwei wochen. Nutzte die zeit, um indonesien zu planen und blog zu schreiben. Ich mochte die leute, das kleinstadtleben, die natur, das wetter, alles stimmte. Aber irgendwann musste ich ja mal weiter. Am 10.10. ging mein flug nach bali. Ich zoegerte es so lang, wie moeglich raus. Insbesondere auch, da mir die damen in der info gesagt haben, dass es auf dem weg nach unten nichts zu sehen gibt und ich auch besser nirgends stoppen soll, da es ueberall zu gefaehrlich war wegen all den aborigines. Ja, das waren die selben damen, die behauptet hatten, dass der mount nameless ja viel zu gefaehrlich fuer eine frau waere. Naja, am 7.10. machte ich mich dann auf den weg. Mit einem fast verhaengnisvollen zwischenstopp. Darueber mehr im naechsten blog.
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